90 Jahre Kirche Proschim

am 08.11.2009

„Unser Glaube ist der Sieg,

der die Welt überwunden hat.“ (1.Joh.5,4)

 

Liebe Festgemeinde!

 

1.     Sie bauten ein Haus, in dem Gottes Ehre wohnen soll

2.     Sie bauten eine Kirche, damit Gottes Wort Wegzehrung für das Leben sein kann.

3.     Wer bewahrt das Haus, in dem gebetet, gesungen, getrauert und gefeiert wird?

 

1.     Sie bauten ein Haus, in dem Gottes Ehre wohnen soll. Darum heute ein Dank und ein Gedenken an vergangene Zeit. 1870 erdachten und erhofften Menschen zum ersten Mal, dass eine Kirche erbaut werden sollte. 1919 am 17.November wurde dieser Traum wahr, die Kirche wurde eingeweiht. Wie viel Mühe, wie viel Fleiß, wie viel Geduld – aber auch Eigenwille -, wie viel Bereitwilligkeit, Liebe, Verantwortung und Spendenbereitschaft verbergen sich hinter dem Erbauen dieser Kirche. Gemeindevertreter und Pastoren haben gekämpft und verhandelt, haben Schreiben verfasst und um Geld gebettelt, damit das, was so schwer war, doch geschehen kann: Eine Kirche zu bauen.

 

Sie wollten sie errichten,

weil es einen Ort geben muss, an dem nicht Menschenehre und Menschenruhm Sinn und Mitte sind, sondern weil es einen Ort geben muss, an dem Gottes Ehre wohnt.

Gottes Ehre inmitten allen menschlichen Fleißes.

Gottes Ehre trotz aller Menschenehre, die es ja auch noch gibt.

Recht und Würde, Anbetung und Gemeinschaft sollten in dieser Kirche sein.

Kein Unterschied nach Rang und Namen.

Keine Privilegien für die so hoch Angesehenen, und keine Nachteile für die, die nicht Reichtum und Besitz hatten.

„So soll es sein“ brachte der Pastor zu Papier, „ dass die ganze Gemeinde hereingelassen wird und die Kirchensitze nicht vererbt werden und auch nicht für Geld vermietet werden dürfen.“

Eine Kirche für alle – die Hochehrwürdigen, die Amt und Ansehen hatten – eine Kirche aber auch für die, die das tägliche Brot in der Fabrik und in der Grube mit Fleiß und Mühe für ihre Familien verdienen mussten.

 

„Nunmehr muss unsere Kirche 400 Sitzplätze haben“, bittet der Pastor den Baumeister Mäkelt. „Es sind 1350 Gemeindemitglieder, für die der Schulraum nun nicht mehr genügt und der Gasthofsaal doch der Würde der Handlung des Gottesdienstes nicht so recht entspricht.“ So setzen Menschen unverdrossen ihre Kraft ein, damit trotz aller Schwierigkeiten diese Kirche doch gebaut werden kann.

„Während des Krieges konnte nicht gebaut werden, da der Baumeister im Felde war.“ So bemerkt der Jessener Pastor im Sept. 1918. Doch dank des Architekten Mäkelt wurden dann Schritt für Schritt in mühsamer Bürokratenmanier Besprechungen anberaumt, Anträge gestellt, Zeichnungen gemacht und wieder verworfen, Bitten um Spenden formuliert und an die beiden großen Unternehmen Glashütte und Eintrachtwerke gesandt. Und immer wieder wurden neue Genehmigungen erteilt.

So steht sie dann – die Proschimer Kirche, und am 17.Nov. 1919 wurde sie geweiht.

Sie bauten ein Haus, in dem die Ehre Gottes wohnen soll.

 

2.     Sie bauten eine Kirche, damit Gottes Wort Wegzehrung für das Leben sein kann.

 

Gottes Wort – verborgen in den biblischen Geschichten, die vom Leben erzählen und doch Antworten geben auf Fragen, die Menschen haben, aber nicht immer laut stellen:

·        Wo bleibt der Sinn des Lebens, wenn die Tage nur Mühe und Antwort mit Not und Sorge sind, und wenn es doch nicht anders wird?

·        Wo bleibt der Sinn des Lebens, wenn es scheint, dass Lüge und Habgier wohl nie aus der Welt zu schaffen sind, und die Bescheidenen, Rücksichtvollen immer die Betrogenen bleiben?

·        Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn die Listigsten und Cleversten doch immer wieder den Sieg davon tragen und die ehrlichen, die Aufrechten immer wieder nach hinten runter fallen?

 

             Wo bleibt Gott, wenn er so etwas zulässt? Oft erklingt diese Frage.

              Ja, Gott lässt auch Unrecht und Gier und Betrug zu.

              Ja, er lässt die Sonne scheinen über die Guten und die Bösen, er lässt es

              regnen über die Gerechten und die Ungerechten.

              Er hat den Kain nicht verflucht, der seinen Bruder erschlagen hat. Aber

              Er hat ihn auch nicht klein geredet, was auf ihm lastet: „Unstet und in  

              ewiger Unruhe sollst du dein Leben lang über die Erde gehen. Niemals 

              sollst du zur Ruhe kommen.“  Das war es, was Kain ein Leben lang

              erdulden, annehmen  musste.

               So gehören zum Leben Siegen und Verlieren, Gewinnen und Hergeben,           Lachen und Weinen, Danken und Klagen. Davon erzählen die Geschichten in der Bibel.

               Und immer ist es die Hoffnung, dass da einer ist, der mitgeht durch dieses Leben.

               Wir sind nicht allein, niemals verlassen, niemals verlassen, niemals verloren.

                Unser Leben ist bei Gott aufgehoben und niemals ist alles sinnlos.

                Der Glaube schenkt Kraft, dieses Leben so anzunehmen, in dem so manches unabänderlich ist.

               Wer glaubt, vertraut Gott.

                Wer glaubt, kann aus der Hand geben, kann loslassen, kann gelassen sein.

               Der Glaube hilft, schwierige Wegstrecken des Lebens zu bewältigen und lässt das kleine Licht der Hoffnung niemals untergehen.

 

               „Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ – so stand es einst in der Kirche geschrieben, hoch über der ganzen Gemeinde.

               Worte der Bibel sind Wegzehrung für das Leben, sind Hoffnungsworte für die Durststrecken des Alltags.

                So bauten sie eine Kirche, damit Gottes Wort Wegzehrung für das Leben sein kann.

        

3.     Wer bewahrt das Haus, in dem gebetet, gesungen, getrauert und gefeiert wird?

Mit viel Zeitaufwand, mit Liebe und großer Verlässlichkeit sorgen Menschen in Proschim dafür, dass diese Kirche ein Kleinod in diesem Ort bleibt.

Sie wird gepflegt und erhalten. Die Glocken verkünden Zeiten der Freude und Stunden des Leids.

Vor dem Altar hat so mancher seinen Segen empfangen.

Alle, die diese Kirche besuchen, bewahren und erhalten sie mit.

So bleibt sie ein Ort, der nicht vergeblich gebaut wurde, solange Menschen suchen und bekommen können, was sie für ihr Leben brauchen:

·        Innehalten und Stillewerden

·        Schweigen vor alldem, was es auch zwischen Himmel und Erde gibt.

·        Mit Ehrfurcht vor alldem Stehen, was sich unserem Begreifen und unserer macht entzieht.

 

          Großartig ist der Mensch. Er kann Vieles, aber nicht alles.

           Das Vertrauen zu Gott lässt uns in den Alltäglichkeiten bestehen und    bewahrt uns den Glauben an einen Sinn im Leben, Darum brauchen wir diese Kirche.

          Mögen Menschen sie erhalten – möge Gott sie bleiben lassen.

          Möge sie bleiben inmitten und trotz allem Trachten nach Ruhm und Ehre, Macht und Gewinn.

 

          Ganz weise sagt es Hiob, dessen Glaube einst so sehr auf die Probe gestellt wurde:

                 Wo Weisheit zu finden ist, dort ist sie mehr wert als Korallen und Perlen.

                 Das reinste Gold wiegt sie nicht auf.

                 Man will Saphir und Gold in der Erde finden

                 und zerwühlt diese Erde, auf der doch das Brot wachsen soll.

                (Hiob 28,5)

           Brot des Lebens – für Leib und Seele – durch die Botschaft der Bibel soll es uns gegeben werden.

 

      So möge diese Kirche bestehen bleiben, die Menschen einst zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes erbauten.

 

   Amen